Heeresmunitionsanstalt Godenau

- Kaliwerk Desdemona

Die historische Entwicklung des Desdemona Geländes

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Die Qualität der Fotos ist teilweise sehr schlecht, da der Scanner mit zunehmender Anzahl der Bilder immer mehr an Leistung nachgelassen hat.

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(Quelle: Paul Graff, "Geschichte des Kreises Alfeld" von 1928)

(Danke für die Zeitungsberichte Martin!

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Desdemona Wetterriss

(Quelle: German Underground Installations Part Two of Three Adaptations of Existing Facilities. 1945)

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Um 1900

Das Kaliwerk Desdemona verändert das Dorf Limmer

Die Zukunft beginnt in Limmer etwa mit dem Jahr 1895. Da wird nämlich in Hannover", ­eine Bohrgesellschaft "vereinigte Hannover" gegründet. die zum Ziel hat. im Leinetal bei Alfeld nach Kalisalzlagern zu bohren, einmal bei Freden und einmal bei Limmer ­Diese Entscheidung prägt in den nächsten drei Jahrzehnten die Entwicklung unseres ­Dorfes in nachhaltigem Maße.

Schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat sich die Einwohnstruktur dahingehend verändert, daß neben den rein landwirtschaftlichen Erwerb das Handwerk trat.

Wir finden die Schneider Schrader, Sürig, Kreibohm und Warnke, den Schuster Kreibohm und den Böttcher Meyer. Seit 1823 ist ein Radmacher Denecke om Ort, in dessen Betrieb 1860 der Radmacher, später Stellmacher Appuhn einheiratet dessen Stelle schließlich Stellmacher Wurthe tritt. Am stärksten vertreten aber vertreten sind die Leineweber. Leineweber Sürig, Leineweber Schrader, Leineweber Schnelle, Leineweber Seeberger, Leineweber Kloth und Leineweber Schlieker gehen ihrem Erwerb teils neben-, teils hauptberuflich nach. Der Webstuhl findet sogar im Altenteil - Contract.­Heinrich Schliekers 1855 seinen Platz, denn es heißt dort, daß der erbberechtigte Conrad Schliekersdem Bruder August den von ihm bislang benutzten Webstuhl; dem ­Bruder Friedrich den früher vom Vater benutzten Webstuhl herauszugeben hat ­letzterwähnte Webstuhl soll in der großen Stube verbleiben und daselbst von mir, ­dem Vater, oder meinem jüngsten Sohne gebraucht werden können."

Die Einwohnerzahl Limmers steigt durch diese Entwicklung von rund 200 im Jahre 1810 auf 290 im Jahre 1890. Doch ist dies eine geringfügige und lang andauernde Vergrößerung im vergleich mit der Veränderung, die die Gründung der "Gewerkschaft Desdemona" bewirkt, denn 1919 leben in Limmer 711 Menschen und 1925 sogar 751.

Die oben erwähnte Bohrgesellschaft "Vereinigte Hannover" wird 1896 in die "Gewerkschaft Hohenzollern" umgewandelt, aus der am 17. Februar 1899 die "Gewerkschaft Desdemona" hervorgeht Dabei ist unter "Gewerkschaft" nicht die heutige Arbeitnehmervertretung zu verstehen, sondern damit ist die Gemeinschaft aller Inhaber des Bergwerks gemeint, die durch die gekauften Anteilscheine Mitbesitzer des Gewerkes, also des Bergwerks sind.

Danach werden sieben Tiefbohrungen niedergebracht, die tiefste erreicht 919 Meter. Am 6. Februar 1900 wird mit dem Bau des 5 m weiten Schachtes an der Grenze Limmers nahe beim Bahnkörper und dem GIenebach begonnen. Am 23. Juli 1904 ist der Schachtbau beendet, nachdem zuvor erhebliche Wasser- und Geldschwierigkeiten den Bau aufgehalten haben. Der Schacht erreicht 702 m Tiefe und durchstößt dabei mehrere abbauwürdige Steinsalz- und Carnallitlager. Dann beginnt der unterirdische Ausbau. Bei 380 m, 425 m, 550 m und bei 690 m werden Querschläge, Strecken und Überbaue von insgesamt 2500 m Länge angelegt Die einzelnen Querschläge erreichen Längen bis zu 300 m und führen in Richtung Eimsen, Wettensen und Dehnsen.

Zugleich wird mit der Anlage der Fabrikationsgebäude begonnen, in denen dann später neben 40%igem Düngesalz noch die Nebenprodukte Brom, Bromeisen, schwefelsaurer Kali, Chlormagnesium und Chlormagnesiumlauge gewonnen werden. Am 15. Juli 1905 schon kann die Chlorkaliumfabrik in Betrieb genommen werden, nachdem die Förderung bereits vorher begonnen hat Fertig gestellt sind zu diesem Zeitpunkt die gesamte Förderanlage mit dem Maschinenhaus und dem Fördergerüst, die Rohsalzmühle, Werkstätten, Kesselhaus, Magazine, Kauen, Laboratorium, Stallgebäude und Büros. Noch heute beeindrucken die gewaltigen Massen der Ziegelge­bäude der Fabrik durch ihre Weitläufigkeit und Ausdehnung, auch wenn der eigentliche Bergwerksbereich mit Fördermaschinenhaus, Schachthalle und Fördergerüst sowie die Rohsalzmühle und der angeschlossene kleine Fabrikateschuppen jetzt verschwunden sind. Dagegen sind die baulichen Anlagen der Fabrik noch weitgehend erhalten. Nach dem Betreten des Pförtnerhauses trifft man auf das Gebäude der Schmiede, ein zweigeschossiger Rundbogenbau. Nördlich des ehemaligen Hofes liegen die beeindruckenden drei- bis fünfgeschossigen Baukörper der Chlorkaliumfabrik, die weitläufigen Anlagen der Sulfatfabrik mit den interessanten Sattel- und Sheddächern und die einstige Bromfabrik.

Die Verlade- und Speicheranlagen des Kaliwerks liegen westlich des Fabrikhofes und zeichnen sich ebenfalls durch eine gewaltige Weitläufigkeit aus. Nach Süden schließt sich ein Gebäude an, das noch zur Chlorkaliumfabrik gehört, aus dem die fertigen Fabrikate in den Schuppen der Sulfatfabrik transportiert werden konnten und über welches die Chlorkaliumfabrik das Rohsalz erhielt. Östlich des Fabrikhofes steht noch das ehemalige Laboratorium, ein aus zwei Bauteilen bestehendes Gebäude. Nach Norden zu schließt sich ein niedriger eingeschossiger Bürotrakt an. Der Fabrikhof wird im Süden von Schuppen und Lagerbauten abgeschlossen.

Mit der Einrichtung des Kaliwerks beginnt für Limmer eine Art Goldgräberphase Das wird vor allen Dingen durch die Tatsache belegt, daß die deutsche Kaliindustrie vor dem 1. Weltkrieg eine WeltmonopolsteIlung einnimmt. Aus Staßfurt, Clausthal, Ronnenberg, Leopoldshall, Bernburg, Vienenburg und Gr. Rhüden kommen Bergleute nach hier und sorgen für einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung der Region "Desdemona" baut die neue Schule, "Desdemona" sorgt für die Erweiterung des Friedhofs an der Kirche, "Desdemona" stiftet Gestühl für die Kirche. In Limmer werden die Straßen geebnet, begradigt und mit Kleinpflaster versehen. "Desdemona" kauft Bauland vom Grafen v. Wrisberg in Brunkensen und legt auf Limmerschem Gebiet die Kolonie Godenau im GIenetal für ihre Arbeiter an: 15 Doppelhäuser und ein Vierfamilienhaus sind 1912 fertig gestellt; daneben liegt das aufwendiger ausgestattete Wohnhaus des Werkleiters erhöht am Hang. Weitere vier ansehnliche Doppelhäuser für Betriebsführer und Beamte entstehen unmittelbar gegenüber dem Werk an der heutigen Bundesstraße. Hübsch gepflegte Gartenanlagen, Sockel aus Bruchsteine Obergeschosse aus Fachwerk, verglaste Veranden, Taubenhäuser und Stallungen aus Fachwerk in der Art kleiner Pavillons geben ihnen ein schmuckes Aussehen. Schließlich werden zwei weitere Wohnhäuser an der Zufahrt zum Werksgelände östlich de, Bahnlinie gebaut: Das erste ist ein Vierfamilienhaus für Beamte, im zweiten, größerer wohnen acht Parteien. 1913 beträgt die Belegschaft 340 Mann.

Doch die Industrie bringt auch damals schon Umweltprobleme mit sich. Im Oktober 1911 erhält das Kaliwerk die Genehmigung, die Endlaugen der täglichen Verarbeitung von 125 Tonnen Carnallit der Leine zuführen zu dürfen, allerdings mit der Auflage, daß durch die Einleitung die Härte des Leinewassers 30 deutsche Härtegrade nicht über­steigen darf. Große Kalihalden entstehen nicht, weil das entnommene Material mög­lichst umgehend wieder zur Verfüllung von Abbauräumen benutzt wird.

Auch Unfälle bleiben nicht aus. Am 7. Mai 1906 kommen bei einer schweren Schlag­wetterexplosion vier Bergleute ums Leben; 1914 tritt Gas auf der 730-m-Sohle aus; 1928 erfolgt eine Verpuffung auf der 706-m-Sohle bei einer Schießarbeit im Nordfeld. Vereinzelt tritt Öl aus, aber eine vom 2. Dezember 1932 bis 6. März 1933 durchge­führte Bohrung auf Öl wird nicht fündig.

1912 wird ein bergpolizeilich geforderter zweiter Schacht einen Kilometer von Schacht Desdemona I angelegt In den Kriegsjahren und danach muß das Kaliwerk seine Produktion zurückfahren und legt 1923 den Schacht II still, der nun nur noch als Wetterschacht betrieben wird. 1928 geht "Desdemona" in den Besitz der Burbach ­Kaliwerke über. Da aber die Produkte des Kaliwerks Desdemona in den beginnenden 30er Jahren in zunehmendem Maße keine Verwendung mehr finden, erfolgt am 24. Juni 1932 die Stillegung des Werkes, die eine hohe Arbeitslosigkeit in Limmer bei den ohnehin ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen zur Folge hat

Doch die Ruhe im Schacht ist nur von kurzer Dauer. 1934 bereits beginnt die Wehrmacht, die Anlage zur Munitionsanstalt (Muna) auszubauen, die den Namen "Godenau" erhält Die Grubenräume beim Schacht I werden mit Vierkanthölzern und Bohlen für den neuen Zweck hergerichtet, Kammern und Stapellager werden

geschaffen, um Granaten und anderes kriegswichtiges Material einzulagern. Gleichzei­tig wird auf Rittergutsgelände westlich von Limmer am Rettbergshang eine Munitionsfüllstation gebaut, wo Pulversäcke genäht und Granaten gefüllt werden. Die Heeres-Munitionsanstalt Godenau wird komplettiert durch die Errichtung von Woh­nungen für die Muna -Arbeiter an der Südseite des GIenetals gegenüber der Kolonie einfache zweigeschossige Langbauten, die sog. "Blöcke", und durch eine Zeile, ­Siedlungshäusern an der linken Seite der Straße nach Brunkensen für die "Feuerwer­ker", die Spezialisten für die Anbringung und Einstellung der Zündeinrichtungen ,,­der gefertigten Munition. Die Kantine für die Beschäftigten und eine Art Offizier­casino befinden sich in der späteren Feierabendhalle, heute ein Möbelgeschäft (Anm. Zur Zeit befindet sich dort ein Computerhändler) beherbergend.

Als die Fördermaschine im Schacht 11938 aufgrund von Materialverschleiß nicht mehr ­benutzt werden kann, verlegt man die Seilfahrt und die Güterförderung in aller Eile zum Schacht II. Die Stahlbaufirma Eilers aus Hannover errichtet einen 24 m hohen ­Stahlbetonturm, und am Schacht stellt man eine neue Fördermaschine auf So können die in Limmer von den rund 1000 Männern und Frauen aus dem Großraum Alfeld, zumeist dienstverpflichtet, abgefüllten 15-cm-Granaten, Tret- und Tellerminen ­weiter für den Krieg gelagert werden.

1943 werden die Häuser der Arbeiterkolonie des Kaliwerks von der Burbach-Kali-AG, an ­Privatleute verkauft. Das Kriegsende 1945 stoppt die Munitionsherstellung in Godenau, doch es lagern noch gewaltige Vorräte in den Stollen. Am 28. Oktober 1947 um ­17.37 Uhr kommt es unter Tage zu einer gewaltigen Explosion, hervorgerufen durch Selbstentzündung des gelagerten Pulvers. Aus Schacht I steigt eine Stichflamme empor, der Förderturm dort stürzt um, der Knall ist kilometerweit zu hören, in Limmer heben sich die Tische in den Wohnzimmern, die heutige Bundesstraße und die Eisenbahnlinie Hannover-Göttingen müssen wegen verstreuter Trümmer zeit­weise gesperrt werden. Kurze Zeit später explodiert auch Schacht II, die Betonwände werden auseinander gerissen. Wie stark die Explosion gewesen ist, belegt der Fund eines etwa 3 Tonnen schweren Stahlkübels, der etwa 2 km vom Schacht II im Garten ­eines Werkshauses landet, sich zur Zeit der Explosion aber in 650 m Tiefe befunden ­hat.

Lange noch steht die Turmruine von Schacht 11, denn im November 1957 schreibt die Alfelder Zeitung:

Die "Godenauer Kirche" muß fort.

Im Herbst des Jahres 1947 flog der Kalischacht Desdemona in Godenau in die Luft

Im Augenblick der Explosion stand über Godenau eine Glutwolke. Der eiserne Förderturm, ein Wahrzeichen des Leinetals seit den Tagen der Kaliförderung wirbelte durch die Luft. Die "Godenauer Kirche", der Schacht II, platzte trotz seiner, dicken Betonwände wie ein Gebilde aus Pappe seitlich auf.

Man würde vielleicht nicht mehr an dieses Ereignis denken, wenn es nicht die Ruine der "Godenauer Kirche" geben würde. Es scheint nun die Zeit gekommen, in der die Beseitigung der Ruine zur Pflicht wird.

Doch erst fünf Jahre später wird der Betonstummel unter großen Mühen gesprengt. Seit 1983 verfüllt die "Kali und Salz AG" die Schachtanlage vom ehemaligen Schacht 11 aus mit Salzwässern aus Bad Salzdetfurth, um die untertägigen Grubenräume endgül­tig zu sichern.

Der Anlegung des Kaliwerks Desdemona verdanken die Bewohner Limmers und Godenaus auch die Einrichtung des dortigen Bahnhofs. In den Akten der Bahn aus jener Zeit findet sich zuerst ein ausführliches Schreiben des Brunkenser Ritterguts­besitzers Graf v. Görtz-Wrisberg, der die Anlegung einer Personen- und Güterstation "Kali Dehnsen" im Mai 1903 erbittet, und von dort die Abzweigung einer GIenetalbahn über Brunkensen-Delligsen-Kaierde- Tunnel nach Vorwohle-Holzminden-Kassel vor­schlägt. Bezüglich der Kosten bringt er auch die "Gewerkschaft Desdemona" ins Gespräch Diese schaltet sich aber erst 1905 ein und ersucht nur um eine Personen­zughaltestelle, da die Güterstation schon 1903 abgelehnt wurde. Sie begründet dies mit ihren auswärtigen Arbeitern, von denen 185 mit der Bahn kommen würden, wenn eine Haltestelle vorhanden wäre, z. B. aus Freden, Alfeld, Brüggen, Bantein, Gronau, Eime und Elze. Die umliegenden Gemeinden und Rittergüter schließen sich dem Wunsch der Gewerkschaft an. Schon im Dezember 1905 antwortet die Reichsbahndirektion mit einem Kostenvoranschlag und einer Entwurfszeichnung, die die beiden Bahnsteige, eine Wartehalle, Nebengebäude mit Aborten und die Einfriedigung ent­hält, alles zum Preis von 16000 Mark.

Postwendend erklärt sich "Desdemona" bereit, 15000 Mark der Kosten zu überneh­men, während der Graf Eustach v. Görtz-Wrisberg für die restlichen 1000 Mark aufkommt Beide haben auch einen Namensvorschlag für die anzulegende Station parat: "Station Desdemona", nachdem der Graf von den ursprünglich vorgeschlagenen "Glenebrück", "GIenetal" und "Kali Dehnsen" Abstand genommen hat Die Königliche Eisenbahndirektion gibt den Namensvorschlag mit dem Antrag auf Genehmigung der Haltestelle an den Minister für öffentliche Arbeiten in Berlin weiter mit dem Hinweis, daß die beiden nächstgelegenen Gemeinden Limmer und Dehnsen als Namengeber nicht in Frage kommen, da sie zum einen am Verkehrsaufkommen des Haltepunktes nur in geringem Maße beteiligt seien, und zum anderen dann Verwechselungen mit den Stationen Deensen bei Holzminden und Limmer bei Hannover auftreten könnten. Doch der Minister in Berlin entscheidet sich anders und folgt im Schreiben vom 24. Mai 1906 einem Vorschlag des Regierungspräsidenten, wenn er festlegt, daß die Station "mit Rücksicht auf das daselbst sich öffnende Tal ,Godenau' zu benennen ist".

Aber die Königliche Eisenbahndirektion in Kassel nimmt es ganz genau und fragt daher am 2. Juni beim Regierungspräsidenten in Hildesheim an: "Da auf der Generalstabskarte der Name ,Gotenau' lautet, so ersuchen wir ergebenst um Auskunft, ob die Schreibweise des Namens mit d oder mit t als richtig anzusehen ist" Darauf antwortet der Regierungspräsident am 12. Juni, "daß die Schreibweise ,Gotenau' auf der Generalstabskarte falsch ist Die richtige Schreibweise ist ,Godenau' , entstanden aus der früheren Benennung ,In der goden Aue'."

Nachdem das Problem geklärt und der Name "Godenau" für diesen Teil des Limmerschen Gebietes damit geschaffen worden ist steht dem Personen Haltepunkt nichts mehr im Wege, Im Laufe des Sommers 1906 läßt die Gewerkschaft Desdemona die Ausschachtungsarbeiten ausführen und die Gebäude nach dem Entwurf der Königlichen Eisenbahndirektion errichten, und am 12, 12, 1906 informiert ein Diensttelegramm die Königlichen Eisenbahndirektionen in Altona, Essen, Frankfurt/Main, Hannover und Magdeburg: "Godenau wird am 15, d, M, dem Verkehr übergeben,

Ersuchen die bereits mitgeteilten Tarifsätze für Godenau einzuführen: Am 15. Dezember 1906 wird an der Strecke Göttingen-Elze zwischen den Stationen Alfeld und Brüggen der neu errichtete Bahnhof Godenau dem Personen- und Gepäckverkehr übergeben

Die Inanspruchnahme des Godenauer Bahnhofs ist zweifellos gut, denn schon 1913 klagt die "Braunschweiger Landeszeitung", daß der Betrieb der Haltestelle nicht dem Wunsche des reisenden Publikums entspricht, da der kleine Warteraum von Reisen­den oft überfüllt ist und nur ein Beamter an der Fahrkartenausgabe Dienst tut Doch weder das in den folgenden Jahrzehnten bis in den 2. Weltkrieg hinein wiederholt vorgetragene Ersuchen nach Vergrößerung der Dienstgebäude noch der Antrag auf Einrichtung einer Stückguthaltestelle werden erfüllt Finanzielle Gründe sprechen immer dagegen. 1964 wird der Bahnhof Godenau im Zuge von Rationalisierungsmaßnahmen geschlossen.

(Quelle: 650 Jahre Limmer, Roland Kernchen 1998)

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Ganz im Osten liegt der rote Salzton, darüber folgen Zechsteinletten und Buntsandstein. Der ganze jüngere, nicht reduzierte Ostflügel vom grauen Salzton ab erscheint auf das stark verfaltete Salzgebirge überschoben.

Der Salzspiegel, die bei - 275 m liegende, durch Grundwässer abgelaugte und verebnete Oberfläche des Salzhorstes, greift in einer nach Osten einfallenden konvexen Kurve noch unter den grauen Salzton.

Vom Deckgebirge ist über dem Salzpfeiler noch eine Scholle von Unterkreide an der Leine nördlich von Freden erhalten, wie auch die Einbrüche von Tertiärablagerungen in Klein Freden eng an die Salzstruktur gebunden sind.

Der Bau des Salzstockes von Godenau , der durch die Aufschlüsse des ehemaligen Schachtes " Desdemona" (vgl. das geologische Profil, A-B, Abb. 11) bekannt ist, wird maßgeblich durch zwei Erzgebirgisch (SW-NO) streichende Querstörungen bedingt, die auch über Tage (GIenetal) nachzuweisen sind. Im Ostteil des Salzaufbruches befindet sich ein mächtiger zusammengefalteter Packen von Steinsalz der Staßfurtserie, an den sich im Westen eine breite Anhydritmulde anschließt. Im Westfeld ist es zu einem gewaltigen Aufstau von Kalisalz der Staßfurtserie gekommen. Die Querstörungen bedingen ein ost-westliches Auslenken der Falten, so daß "stehende Falten" oder "Kulissenfalten" (Hartwig, 1928, 1933) zustande kommen.

Das Deckgebirge ist vom aufdringenden Salz zu einem umgekehrt liegenden Sattel nach Westen überfaltet worden (vgl. das geologische Profil A-B, Abb. 11). so daß Bohrungen durch das Salz hindurch unter diesem verkehrt liegenden Buntsandstein angetroffen haben (Hartwig).

Die Lagerungsverhältnisse im Gebiet des ehemaligen Schachtes "F r i s c h g I ü c k" bei Eime entsprechen etwa denen bei Godenau. Das Salz zeigt relativ flach nach Südwesten einfallende, ausgequetschte Falten, die in Überschiebungen übergehen. Gegenüber "Hohenzollern" tritt das Steinsalz der Staßfurtserie stark zurück. Auffällig ist das Vorhandensein großer Hauptanhydritmassen.

Die Salzvorkommen des Rhüdener Sattels und des Hildesheimer Waldes werden in den Nachbarkreisen abgebaut. Auf eine Besprechung kann daher hier verzichtet werden.

Wesentlich bedeutungsvoller war der Kalibergbau.

Um 1900 begann die Gewerkschaft Hohenzollern im Schacht Deutschland mit einer Belegschaft von 366 Mann den Abbau, 1906 die Gewerkschaft Iduna, später Meimerhausen mit 104 Arbeitern, mit einem 643 m tiefen Schacht. Täglich wurden etwa 400 t Rohsalz gefördert. Der Salzgehalt betrug nur 16-24 vH, war also niedriger als in den Kalilagern des Werragebiets; außerdem ist die Lagerung der Schichten stark gestört und ungünstig für den Abbau. Daher wurde die Förderung bei Eime und Groß Freden bereits 1914 eingestellt. 1918 wurde Hohenzollern vom Glückauf-Konzern, 1924 vom Wintershall Konzern aufgekauft. Die Anlagen wurden abgerissen, der Schacht mit Wasser angefüllt. Auch der dritte Schacht, Desdemona in Godenau, stellte die Förderung ein und wurde 1943 von den Burbach-Kaliwerken auf 10 Jahre an das Reich verpachtet. Im Schacht wurde eine Munitionsfabrik angelegt und Heeresgut untergebracht. 1945 zerstörte eine Explosion einen Teil der Anlagen. Die Verwendung nach Ablauf des Pachtvertrages steht noch aus. Die auf dem Gelände befindlichen Gebäude wurden zunächst für Lagerund Fabrikationszwecke verpachtet. Jetzt wird eine Wiederaufnahme des Kaliabbaues in Erwägung gezogen.

Auch die dicht an der Kreisgrenze gelegenen Kalischächte des Hildesheimer Waldes sind größtenteils außer Betrieb; von ihnen fällt nur der stillgelegte Schacht Mathildenhall ins Kreisgebiet.

(Quelle: Der Landkreis Alfeld, Band 14, 1957)

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Die Heeresmunitionsanstalt

Mehr als 300 staatliche Einrichtungen mit dem Namen Munitionsanstalt wurden ab 1936 im Deutschen Reich durch die Wehrmacht aufgebaut und betrieben. Es wird gelegentlich je nach Verwendungszweck unterschieden zwischen Heeresmunitionsanstalt, Luftmunitionsanstalt und Marinemunitionsanstalt.

Damals und heute sind die Anlagen regional oftmals unter der Abkürzung Muna bekannt.

Im Vierjahresplan 1936-1940 legte die nationalsozialistische Regierung den Grundstein für die Kriegsvorbereitungen des 2. Weltkriegs. Neben der Herstellung synthetischer Rohstoffe (Benzin und Gummi) war der Aufbau einer flexiblen und leistungsstarken Sprengstoffindustrie Ziel des Vierjahresplans.

Um das spätere Auffinden der Industrieanlagen für feindliche Bomberstaffeln zu erschweren, wurden die Standorte für die Anlagen auf ganz Deutschland verteilt. Häufig wurden land- oder forstwirtschaftliche Regionen gewählt, die zudem eine leichte Rohstoffversorgung ermöglichen, und einen einfachen und sicheren Abtransport des Sprengstoffes sichern sollten.

(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Muna)

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Zwangsarbeit

Im Verlauf des 2. Weltkrieges als das Kaliwerk als Muna umgenutzt wurde mussten 400 Personen als Zwangsarbeiter Ihre Arbeit dort verrichten. Die Verwaltung dieser Personen erfolgte  vom Arbeitsamt Alfeld / Leine.

(Quelle: Martin Weinmann, "Das nationalsozialistische Lagersystem" (1985) ist
die sogenannte CCP-Liste veröffentlicht)

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Nach dem Krieg.....

In der Geschichte des Stadtarchivs Hildesheim

steht geschrieben:

Nach dem Ende der Feindseligkeiten hatte ich bereits am 21. Mai 1945 im zwar fensterlosen, aber sonst fast unzerstört gebliebenen Magazin der Stadtbibliothek meine Arbeit wieder aufnehmen können. Ende Juni erschien ein Bote, überbrachte mündlich Grüße von Kreisheimatpfleger Wilhelm Barner in Alfeld und die Mitteilung, dass in der ehemaligen Munitionsanstalt Godenau bei Alfeld eine Reihe von Kisten mit der Aufschrift "Stadtarchiv Hildesheim" entdeckt worden seien. In diesen Tagen und Wochen des fast vollständigen Darniederliegens aller Verkehrsverbindungen bedeutete diese Mitteilung Alarm; mit Hilfe der damals bestehenden "Fahrbereitschaft" gelang es, einen Kraftwagen zu bekommen, der Baumeister Schiller und mich am 29. Juni zunächst nach Wrisbergholzen ins Schloss führte, wo wir die Urkunden des Stadtarchivs untergebracht hatten und gesichert glaubten. Dort wurde uns berichtet, dass i. J. 1944 auch die Bildschule des Fliegerhorstes in Hildesheim an den Schlossherrn mit dem Ersuchen herangetreten sei, einige ihrer Geräte dort auszulagern. Ohne dass uns davon Mitteilung gemacht wurde, erhielt die Bildschule den gleichen Raum zugewiesen, in dem unsere Urkundenkisten gestapelt standen. Die Folge war, dass die Engländer als Besatzungsmacht bei der Übernahme unserer Gegend aus der Hand der Amerikaner den militärischen Besitz dort beschlagnahmten und in begreiflichem Missverständnis den gänzlich unmilitärischen Inhalt der Kisten dazu. Am 1. Juli fanden Schiller und ich in der Tat einen Teil, nämlich 12 Kisten, in einer Fabrikhalle der "Muna" Godenau auf; es gelang uns, die zuständigen Stellen der Besatzungstruppen von dem gänzlich unpolitischen und lediglich kulturellen Charakter des Inhalts dieser Kisten zu überzeugen und die Erlaubnis zur "Rückführung" zu erlangen. Am 6. Juli 1945 wurden sie mit einem Lastkraftwagen abgeholt und vorläufig im erhaltenen Pelizaeus-Museum untergestellt, das damals den Dienststellen des Ernährungsamtes und anderen Bezugscheinstellen diente.

(Quelle: http://www.stadtarchiv-hildesheim.de/geschichte/geschichte_archiv.htm)

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April 1945

Im April 1945 besetzten alliierte Truppen die Betriebsteile der Muna-Godenau.

Die 76th Depot Control Company

Nach Ende des Krieges begannen die Briten mit der Entmilitarisierung und Demontage der Muna.

Für die Bergung der eingelagerten Kampfmittel war die 76th Depot Control Company zuständig, sie wurde mit den gleichen Aufgaben auch bei den Munitionsanstalten Hänigsen und Volpriehausen tätig. Die konventionelle Munition ist in kleinen Chargen auf umliegenden Sprengplätzen vernichtet worden. Die Kampfstoffmunition wurde abtransportiert und später, zusammen mit Beständen anderer Lager, in der Nordsee und der Ostsee versenkt.

(Quelle:http://www.relikte.com/haenigsen/index.htm)

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Desdemona wird geflutet!

19.Oktober 2006

20.März 2007

11.Mai 2007

11.Mai 2007

19.Mai 2007

Freitag, den 26.10.2007

Teil 1

Teil 2

 (Öschi, Danke für die Scans!)

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Postkarten aus Godenau

 

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Weitere Infos unter: http://www.relikte.com/godenau/index.htm

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Links:

Besuchen Sie zu diesen Thema auch die Seite von Thomas Hoffmann:

http://www.repage7.de/member/salzschaechte

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Matthias Baars

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31093 Lübbrechtsen

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